Die schwarze Sonne

Alle Bilder mit einem -V- können vergrößert werden!

Die Sonnenfinsternis!
Seit Jahren habe ich auf dieses Ereignis gewartet. Es wird meine erste totale Sonnenfinsternis sein. Bereits mehrere Wochen vor dem Jahrhundertereignes habe ich mein Equipment fertig eingestellt und getestet. Jeder Handgriff muß doch sitzen, da ich in den gut zwei Minuten ja auch beobachten und nicht auf Fehlersuche gehen möchte.
verstautesequipment.jpg (19245 Byte)
Das Equipment ist verstaut, wir sind abfahrtbereit.
 
wiese.jpg (12579 Byte)
Unsere Wiese bietet uns einen traumhaften Westblick.
Genau richtig für den herannahenden Mondschatten.
 
ersteaufnahme.jpg (17872 Byte)
Der Refraktor von MEADE ist bereit.
Jetzt kann die Finsternis kommen.
 
es hat begonnen
-v-
Ein gutes Stück der Sonne ist bereits verschwunden.
 
Tino
Durch die kurzen Belichtungszeiten konnte problemlos aus der freien Hand fotografiert werden.
 
wolkenstimmung
-v-
Das Farbenspiel rund um die Sichelsonne war überwältigend.
 
kurz vor Beginn
-v-
Langsam kommt die Korona zum Vorschein.
 
Perlschnur
-v-
Ein letztes Aufblitzen am Sonnenrand. Das Schauspiel beginnt.
 
Maximale Corona
-v-
Die Corona der Sonne in ihrer ganzen Pracht.
 
Strukturen in der Corona
-v-
Die innere Corona bietet eine Fülle von Details.
 
Protuberanzen
-v-
Hier muß die Schärfeeinstellung stimmen, sonst gehen Details in den Protuberanzen verloren.
 
erstessonnenlicht
-v-
Erstes Sonnenlicht scheint durch tiefe Mondtäler.
Bereits am Vortag trafen wir bei einigen Amateurastronomen, die im Westen von Augsburg wohnen, ein. Die Wetterprognosen wiesen uns den Weg Richtung Westen. Vorerst! Am frühen Abend änderte sich alles. Die Front, unter der wir durchfahren wollten, blieb stehen. Hinter der Front kam eine weitere. Also, ab Richtung Osten.

Eine Stunde vor Mitternacht ging es los. Treffpunkt war ein Autobahnrastplatz, östlich von München. Binnen kurzer Zeit trafen sieben Autos ein. Alle waren voll bepackt. Nach einem stärkenden Kaffee ging es los. Ein leichter Regen begleitete uns die ersten Kilometer, doch hinter Salzburg wurde es klar und ein traumhafter Sternenhimmel begleitete uns bis nach Wien.

Es war zu schön, um wahr zu sein. Auf dem Weg Richtung Burgenland kamen erste Wolken auf. Etwa 30km vor unserem Zielpunkt fing es an zu regnen. Garniert wurde alles mit Blitz und Donner. Erschöpft kamen wir an unserem Zielpunkt an. Etwa 15 gezeichnete Hobbyastronomen freuten sich auf ein paar ruhige Stunden. Einer unserer Begleiter kam auf die Idee, den aktuellen Wetterbericht abzurufen. Eine Katastrophe! Gleich in unserer Nähe baute sich ein Tief auf. Kein Wunder, daß es regnete. Also ab ins Auto, wieder Richtung Westen, dort wo der schöne Sternenhimmel war.
Schön langsam wurde es knapp. Nur noch etwa 150 Minuten bis zum ersten Kontakt und wir waren noch immer auf der Autobahn. Zu allem Überfluß waren gewaltige Staus angesagt. Also nahmen wir die Ausfahrt Melk, zwischen Linz und Wien und ab in die Berge, dort wo die Zentrallinie sein sollte. Inzwischen schien wieder die Sonne. Nur ein paar Haufenwolken waren in den Bergen sichtbar. Leider mußten wir genau in diese Richtung.

45 Minuten vor dem ersten Kontakt waren wir noch immer unterwegs. Inzwischen hatte sich der Himmel wieder bewölkt und wir fuhren bergauf - bergab oder durch enge Täler. Es wollte einfach kein Ende nehmen. Irgendwann, in einem kleinen idyllischen Dorf fragten wir einen einheimisch aussehenden Mann, wo wir uns eigentlich befinden. Nun, es stellte sich heraus, daß wir bereits zwei Minuten Totalität haben. Das reichte uns, zudem die Maximumslinie von dichten Wolken bedeckt war. Also zwischen Kirchberg und Maria Zell im schönen Österreich wollten wir unser Glück versuchen.

Doch das Glück wollte es leider nicht mit uns versuchen. Eine Wolkenbank nach der anderen versperrte uns die Sicht auf die Sonne. Nur kleine Wolkenlöcher gaben uns den Blick auf das noch jungfräuliche Tagesgestirn frei.

3-2-1 Erster Kontakt! Fehlanzeige! Nur eine kleine Wolke. Wo bleibt der Mond? Wir waren doch noch zu weit östlich.

Jetzt muß es doch endlich so weit sein. Ein Schrei! "Erster Kontakt!" Reflexartig drücke ich ab. Die erste Aufnahme der Sonnenfinsternis. Jetzt hat es begonnen. Pünktlich zu diesem schönen Ereignis kommen natürlich die Wolkenbänke. Getreu nach dem Motto:
"nur nicht übermütig werden!" Doch gerade die Wolken und die Sichelsonne bieten uns wunderschöne Motive. Das Farbenspiel rund um die Sonne ist überwältigend.

Eine halbe Stunde vor der Totalität! Dicke Wolken verhindern den Blick auf die Sonne. Unsere Stimmung sinkt in den Keller. Nur Peter, der Optimist, erklärt uns, daß solche Wolken sich kurz vor der Totalität auflösen. Hoffentlich wissen dies auch die Wolken.

15 Minuten vor der Totalität! Die ersten Wolkenlöcher zeigen sich. Es kommt wieder Leben in die Gruppe. Das Licht fängt sich langsam an, zu verändern. Auch die Schatten werden anders, viel schärfer, als sonst. In uns macht sich eine spannende Erwartung breit.

 

120 Sekunden vor der Totalität ist die Sonne wieder weg. Das darf nicht sein!

Langsam driftet ein Wolkenloch von Westen in Richtung Sonne. Wo ist ein Wolkenschieber? 60 Sekunden vorher - das Loch läßt uns nicht im Stich. Die ersten und letzten Strahlen erhellen die unwirkliche Landschaft. Ist das wirklich noch unsere Erde?

Runter mit den Filtern, jetzt ist es soweit! Ein Schrei, ich weiß nicht mehr von wem, die Sonne ist nicht mehr eine Sichel! Eine schwarze Scheibe, umgeben von einem unwirklichen Lichterschein. Auf der linken Seite brennt noch das lodernde Feuer. Plötzlich fährt mit unmenschlicher Geschwindigkeit eine dunkle Wand über mich hinweg. Die Umgebung, sie hat sich verändert. Beleuchtet wird alles von einem unwirklichen Gebilde.

Jetzt blicken wir dem Sonnengott ins Antlitz. Eine schwarze Scheibe, umgeben von einem Strahlenkranz. Wie rote Tränen wirken die Protuberanzen. Einer dieser Feuerbälle schwebt frei im All. Mechanisch drücke ich auf den Auslöser der Kamera. Der Kamerasucher ist für mich kein Anreiz, die Sonne wird schon noch drinnen sein. Meine Augen sind vom Geschehen über mir gebannt. Ich bin wie hypnotisiert. Links unterhalb der Sonne strahlt die Venus. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Die Farben der Corona, das tiefe Schwarzblau des Himmels, dieser Anblick brennt sich in mein Gehirn ein. Ich habe so etwas Schönes noch nie gesehen.
Das Zeitgefühl haben wir verloren. Nach Sekunden oder einer Ewigkeit erscheint am rechten Rand der schwarzen Sonne ein gleißender Stern. Tiefe Mondtäler geben den Blick auf unser Tagesgestirn wieder frei. Für wenige Augenblicke ist der Strahlenkranz noch zu sehen, dann ist dieses Schauspiel vorbei. Mir ist, als ob jemand einen Schleier wegzieht und den Blick auf unsere Erde wieder freigibt. Die Natur hat uns wieder.
In dem Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, sehe ich die schwarze Sonne wieder. Immer wieder schiebt sich vor meinem geistigen Auge der Mond vor die Sonne. Ich glaube, irgend etwas hat sich in mir verändert und ich hoffe, daß diese Veränderung von Dauer sein wird.

Wolfgang Ransburg

Zur Startseite