Die Sonnenfinsternis!
Seit Jahren habe ich auf dieses Ereignis gewartet. Es wird meine erste totale
Sonnenfinsternis sein. Bereits mehrere Wochen vor dem Jahrhundertereignes habe ich mein
Equipment fertig eingestellt und getestet. Jeder Handgriff muß doch sitzen, da ich in den
gut zwei Minuten ja auch beobachten und nicht auf Fehlersuche gehen möchte. |
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| Das Equipment ist
verstaut, wir sind abfahrtbereit. |
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Unsere Wiese bietet
uns einen traumhaften Westblick.
Genau richtig für den herannahenden Mondschatten. |
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Der Refraktor von
MEADE ist bereit.
Jetzt kann die Finsternis kommen. |
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Ein gutes Stück der Sonne ist bereits verschwunden. |
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| Durch die kurzen
Belichtungszeiten konnte problemlos aus der freien Hand fotografiert werden. |
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Das Farbenspiel rund um die Sichelsonne war überwältigend. |
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Langsam kommt die Korona zum Vorschein. |
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Ein letztes Aufblitzen am Sonnenrand. Das Schauspiel beginnt. |
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Die Corona der Sonne in ihrer ganzen Pracht. |
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Die innere Corona bietet eine Fülle von Details. |
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Hier muß die Schärfeeinstellung stimmen, sonst gehen Details in den Protuberanzen
verloren. |
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Erstes Sonnenlicht scheint durch tiefe Mondtäler. |
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| Bereits am Vortag trafen wir bei einigen
Amateurastronomen, die im Westen von Augsburg wohnen, ein. Die Wetterprognosen wiesen uns
den Weg Richtung Westen. Vorerst! Am frühen Abend änderte sich alles. Die Front, unter
der wir durchfahren wollten, blieb stehen. Hinter der Front kam eine weitere. Also, ab
Richtung Osten. Eine Stunde vor Mitternacht ging es los. Treffpunkt
war ein Autobahnrastplatz, östlich von München. Binnen kurzer Zeit trafen sieben Autos
ein. Alle waren voll bepackt. Nach einem stärkenden Kaffee ging es los. Ein leichter
Regen begleitete uns die ersten Kilometer, doch hinter Salzburg wurde es klar und ein
traumhafter Sternenhimmel begleitete uns bis nach Wien. |
| Es war zu schön, um wahr zu sein. Auf dem Weg
Richtung Burgenland kamen erste Wolken auf. Etwa 30km vor unserem Zielpunkt fing es an zu
regnen. Garniert wurde alles mit Blitz und Donner. Erschöpft kamen wir an unserem
Zielpunkt an. Etwa 15 gezeichnete Hobbyastronomen freuten sich auf ein paar ruhige
Stunden. Einer unserer Begleiter kam auf die Idee, den aktuellen Wetterbericht abzurufen.
Eine Katastrophe! Gleich in unserer Nähe baute sich ein Tief auf. Kein Wunder, daß es
regnete. Also ab ins Auto, wieder Richtung Westen, dort wo der schöne Sternenhimmel war. |
| Schön langsam wurde es knapp. Nur noch etwa 150
Minuten bis zum ersten Kontakt und wir waren noch immer auf der Autobahn. Zu allem
Überfluß waren gewaltige Staus angesagt. Also nahmen wir die Ausfahrt Melk, zwischen
Linz und Wien und ab in die Berge, dort wo die Zentrallinie sein sollte. Inzwischen schien
wieder die Sonne. Nur ein paar Haufenwolken waren in den Bergen sichtbar. Leider mußten
wir genau in diese Richtung. 45 Minuten vor dem ersten Kontakt waren
wir noch immer unterwegs. Inzwischen hatte sich der Himmel wieder bewölkt und wir fuhren
bergauf - bergab oder durch enge Täler. Es wollte einfach kein Ende nehmen. Irgendwann,
in einem kleinen idyllischen Dorf fragten wir einen einheimisch aussehenden Mann, wo wir
uns eigentlich befinden. Nun, es stellte sich heraus, daß wir bereits zwei Minuten
Totalität haben. Das reichte uns, zudem die Maximumslinie von dichten Wolken bedeckt war.
Also zwischen Kirchberg und Maria Zell im schönen Österreich wollten wir unser Glück
versuchen. |
| Doch das Glück wollte es leider nicht mit uns
versuchen. Eine Wolkenbank nach der anderen versperrte uns die Sicht auf die Sonne. Nur
kleine Wolkenlöcher gaben uns den Blick auf das noch jungfräuliche Tagesgestirn frei.
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Erster Kontakt! Fehlanzeige! Nur eine kleine Wolke. Wo bleibt der Mond? Wir waren doch
noch zu weit östlich.
Jetzt muß es doch endlich so weit sein. Ein Schrei! "Erster
Kontakt!" Reflexartig drücke ich ab. Die erste Aufnahme der Sonnenfinsternis. Jetzt
hat es begonnen. Pünktlich zu diesem schönen Ereignis kommen natürlich die
Wolkenbänke. Getreu nach dem Motto:
"nur nicht übermütig werden!" Doch gerade die Wolken und die Sichelsonne
bieten uns wunderschöne Motive. Das Farbenspiel rund um die Sonne ist überwältigend. |
| Eine halbe Stunde vor der Totalität!
Dicke Wolken verhindern den Blick auf die Sonne. Unsere Stimmung sinkt in den Keller. Nur
Peter, der Optimist, erklärt uns, daß solche Wolken sich kurz vor der Totalität
auflösen. Hoffentlich wissen dies auch die Wolken.
15 Minuten vor der
Totalität! Die ersten Wolkenlöcher zeigen sich. Es kommt wieder Leben in die Gruppe. Das
Licht fängt sich langsam an, zu verändern. Auch die Schatten werden anders, viel
schärfer, als sonst. In uns macht sich eine spannende Erwartung breit.
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| 120 Sekunden vor der Totalität ist die Sonne wieder
weg. Das darf nicht sein! Langsam driftet ein Wolkenloch von Westen in
Richtung Sonne. Wo ist ein Wolkenschieber? 60 Sekunden vorher - das Loch läßt uns nicht
im Stich. Die ersten und letzten Strahlen erhellen die unwirkliche Landschaft. Ist das
wirklich noch unsere Erde?
Runter mit den Filtern, jetzt ist es soweit! Ein Schrei, ich weiß nicht mehr
von wem, die Sonne ist nicht mehr eine Sichel! Eine schwarze Scheibe, umgeben von einem
unwirklichen Lichterschein. Auf der linken Seite brennt noch das lodernde Feuer.
Plötzlich fährt mit unmenschlicher Geschwindigkeit eine dunkle Wand über mich hinweg.
Die Umgebung, sie hat sich verändert. Beleuchtet wird alles von einem unwirklichen
Gebilde. |
| Jetzt blicken wir dem Sonnengott ins Antlitz. Eine
schwarze Scheibe, umgeben von einem Strahlenkranz. Wie rote Tränen wirken die
Protuberanzen. Einer dieser Feuerbälle schwebt frei im All. Mechanisch drücke ich auf
den Auslöser der Kamera. Der Kamerasucher ist für mich kein Anreiz, die Sonne wird schon
noch drinnen sein. Meine Augen sind vom Geschehen über mir gebannt. Ich bin wie
hypnotisiert. Links unterhalb der Sonne strahlt die Venus. Mein Herz schlägt mir bis zum
Hals. Die Farben der Corona, das tiefe Schwarzblau des Himmels, dieser Anblick brennt sich
in mein Gehirn ein. Ich habe so etwas Schönes noch nie gesehen. |
| Das Zeitgefühl haben wir verloren. Nach Sekunden oder
einer Ewigkeit erscheint am rechten Rand der schwarzen Sonne ein gleißender Stern. Tiefe
Mondtäler geben den Blick auf unser Tagesgestirn wieder frei. Für wenige Augenblicke ist
der Strahlenkranz noch zu sehen, dann ist dieses Schauspiel vorbei. Mir ist, als ob jemand
einen Schleier wegzieht und den Blick auf unsere Erde wieder freigibt. Die Natur hat uns
wieder. |
| In dem Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, sehe
ich die schwarze Sonne wieder. Immer wieder schiebt sich vor meinem geistigen Auge der
Mond vor die Sonne. Ich glaube, irgend etwas hat sich in mir verändert und ich hoffe,
daß diese Veränderung von Dauer sein wird.
Wolfgang Ransburg |